Neu: TeilnehmerInnen, sounds
Inhaltliche Fragestellung:
- Es gibt Geräusche, da stehen einem die Haare zu Berge, und andere, da läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Geräusche sind sehr gut geeignet, Emotionen auszulösen. Aber wie können wir die ausgelösten Emotionen objektivieren? Diskutiert werden explizites Urteil, implizite Auswirkungen auf Reaktionszeiten, und physiologische Reaktionen wie die Messung des Hautleitwerts.
Methodische Fragestellungen:
- Hautleitwertmessungen sind nicht nur für den „Lügendetektor“ relevant, sondern auch als ein Maßstab der emotionalen Erregung ein wichtiges Instrument in der Emotionsforschung geworden. Allerdings hat sich noch kein Standard herausgebildet, wie diese Messungen ausgewertet werden sollen. Getestet wird ein Ansatz, wie ereigniskorrelierte phasische Reaktionen aus den Meßdaten extrahiert werden können.
Materialien:
Literatur:
Einarbeitung in die Messtechnik
- LeDoux, J., Das Netz der Gefühle. Wie Emotionen entstehen. Deutscher Taschenbuchverlag, 2001.
- Boucsein, W., Electrodermal Activity. New York: Plenum Press, 1992.
- neu: Bradley & Lang (2000). Affective reactions to acoustic stimuli. Psychophysiology, 37, 204-215. (660 kB)
- neu: André Weinreich (2005): Crossmodales affektives Priming mit Umweltgeräuschen. Diplomarbeit (699 kB)
- neu: Hamm & Vaitl (1993). Emotionsinduktion durch visuelle Reize: Validierung einer Stimulationsmethode auf drei Reaktionsebenen Psychologische Rundschau, 44, 143-161.
- neu: Lang et al. (1993). Looking at pictures: Affective, facial, visceral, and behavioral reactions. Psychophysiology, 30, 261-273.
Damit Sie sich mit der Technik der EDA Messung vertraut machen, wird Bernhard Weber Ihnen am 5.4. zwischen 18 und 20 Uhr in der Schubertstr. 51 a zeigen, wie Sie EDA Messungen selber durchführen können. Wir werden Sie dazu in zwei Gruppen teilen, die zwischen 18 und 19, bzw. zwischen 19 und 20 Uhr instruiert werden. Wir werden auch einen Modus finden, wie Sie im Monat April immer wieder mal ins Labor kommen und messen können. Jede Gruppe im April soll dreimal ins Labor und eine Messung durchführen. Das wird zunächst noch ohne auditive Stimulation sein, Sie können sich etwas anderes ausdenken, wie Sie Erregungen bzw. Entspannung auslösen, z.B. Lügentests, Autosuggestion etc. Es geht vor allem darum, daß Sie mit der Technik der Messung selbst vertraut werden.
Literaturrecherche
Jede Gruppe soll ein Literaturreferat vorstellen. Dabei kann sich die Gruppe für einen von zwei Themenbereichen entscheiden:
Ich bitte die Gruppen, sich für einen dieser beiden Bereiche zu melden, so daß koordiniert werden kann, daß jeweils drei Gruppen pro Bereich recherchieren. Aufgabe ist es, die Vielfalt der verschiedenen verwendeten Methoden aufzuzeigen. Es wäre besonders zu achten auf Arbeiten, die IADS nützen, um vor allem die Dimension Erregung (= arousal, weniger wichtig: Wohlgefallen, Valenz = pleasure) zu manipulieren, bzw. (beim 2. Thema) auf Studien, die stimulusinduzierte EDA (im Sinne von "ereigniskorreliert") erheben. Am 12.4. finden dann die Literaturreferrate der drei Gruppen statt, die sich mit Emotionsinduktion beschäftigt haben, und am 19.4. die der anderen drei Gruppen. Bitte besprechen Sie sich zwischen den Gruppen, welche Artikel Sie vorstellen wollen, damit es nicht zu Überscheidungen kommt.
- Emotionsinduktion mit dem IADS, evtl. (wenn das nicht genug hergibt) auch mit dem IAPS. Bei IADS kann man z.B. beginnen mit der Recherche, wer Bradley&Lang (2000) zitiert, bei IAPS wer Lang et al. (1993) zitiert. Aber auch die direkte Suche in Titel und Abstracts nach IADS bzw. IAPS sollte zu Ergebnissen führen.
- Hautleitwert als Erregungsmaß. Ausgehen z.B. von Boucsein, aber versuchen, auch neuere Studien zu erfassen.
Auswertung
Bernhard hatte die gute Idee, nicht eigene Gruppen für die Auswertung zusammenzustellen, sondern pro Gruppe jeweils ein Mitglied für die Auswertung zu schulen. Dies ergibt eine "Metagruppe" mit sechs Mitgliedern, die in der Verwendung der Auswertesoftware geschult werden. Dafür können diese Mitglieder bei anderen Aspekten dann weniger aktiv sein. Insgesamt bleibt so für jede Gruppe eine vollständige Studie. Es ist darauf zu achten, daß alle alles machen: die "Auswerter" sollen sich auch an der Experimentaldurchführung beteiligen, und die anderen beiden sollen (unter Anleitung des Auswerters) auch Daten auswerten.
Erste Ideen für Themen
Es sollen insgesamt drei verschiedene Fragestellungen bearbeitet werden. Da es sechs Gruppen gibt, wird also jede Fragestellung von zwei Gruppen bearbeitet. Das ermöglicht gegenseitige Untersützung zwischen den Gruppen, wenn mal wo was nicht läuft. Für die drei Fragestellungen gibt es zur Zeit folgende, noch unfertige Ideen:
In der Planungssitzung am 26.4. sollen Sie konkrete Entwürfe für Versuchspläne vorbringen, wie diese Ideen verwirklicht werden können. Dafür ist es günstig, wenn Sie sich (als Gruppe) frühzeitig für eine der drei Fragestellungen entscheiden. Geben Sie bitte auch eine zweite Präferenz an, damit wir arrangieren können, daß zwei Gruppen pro Fragestellung aktiv sind. Ihr Plan muß nicht perfekt sein. Wir werden gemeinsam daran arbeiten. Wichtiger als der "perfekte Plan" ist, daß Sie sich so gut in die Fragestellung eingearbeitet haben, daß Sie am 26.4. auf meine Einwände zu Ihrem Plan gut reagieren können, also in anderen Worten: daß Sie am 26.4. gut mitarbeiten können.
- In der bisherigen Studie waren die Zeitabstände zwischen den Stimuli mit 50 Sekunden sehr lang, was zu einer geringen Menge Daten pro Stunde Versuchszeit führt. Wenn man sich die Ergebnisse (z.B. erster Powerpointvortrag, s.o., die Punktwolkenfolie kurz vor Ende) anschaut, dann kann man abschätzen, wieviel Zeit nach Stimulus noch erhöhte Aktivität vorliegt. Dementsprechend sollten kürzere Intervalle zwischen den Stimuli auch zu guten Ergebnissen führen. Aber vielleicht habituiert man dann zu sehr an die Stimuli. Daher sollte die Studie auf jeden Fall die bisher verwendeten 50 Sekunden einschließen, aber eben auch kürzere Invervalle.
- Für das Auslösen ereigniskorrelierter Aktivität (egal ob EEG oder EDA) ist es wichtig, genau zu wissen, wann der Reiz gesetzt wurde. In diesem Sinne wären noch kürzere Reize besser. In der bisherigen Studie wurden bereits statt 6 Sekunden nur 2 Sekunden lange Reize eingesetzt. Kann das weiter verkürzt werden, z.B. auf 1 Sekunde oder gar 0.5 Sekunden? Bleibt dann aber der Informationsgehalt erhalten? Es wäre interessant, dabei Reize, die z.B. nur in der kurzen Version vorkommen, mit solchen zu vergleichen, die sowohl in der langen als auch in der kurzen Version vorkommen, um zu testen, ob evtl. eine Reaktion auf kurze Reize "gelernt" wird, wenn diese gleichzeitig auch als Langversion vorkommen. - Bei dieser Studie sind auch die behavioralen Daten (rating nach Erregung und Valenz) interessant, da man auch hier sehen kann, ob die kürzeren Stimuli noch ausreichend sind.
- Nach verschiedenen Berichten soll ein emotionsinduzierender Reiz verstärkt wirken, wenn der Kontext richtig gesetzt wurde. Dies war auch in der Vorgängerstudie addressiert worden, allerdings leider mit prädikativen visuellen Stimuli: sobald ein Wort auf dem Bildschirm erschien, war der auditive Reiz "angekündigt". Ein alternatives Paradigma könnte vorsehen, daß ständig Worte auf dem Bildschirm erscheinen, z.B. alle 2 Sekunden, also im Verlauf einer Sitzung hunderte. Dies wird mit einer Aufgabe verbunden ("Sehen Sie sich diese Worte alle an, Sie werden nachher anhand von neuen Wortlisten gefragt werden, welche Worte neu sind, und welche alt!"). Dadurch wird sichergestellt, daß die Wortlisten auch gelesen werden. Ab und an kommt über die Kopfhörer ein Geräusch aus der IADS Datenbank. Dies kann man aber anhand der Wortlisten nicht vorhersagen, es kommt überraschend, und sollte je nach Erregung eine EDA auslösen. Die Auswahl der Worte, die zeitgleich oder kurz vor dem Stimulus gezeigt wurden, kann nun den richtigen Kontext setzen ("Nuckel", "Wiege", etc. zum Geräusch Babylachen), oder eben nicht.
Fragen
Sicher haben Sie noch Fragen zu der Vorläuferstudie (erster Powerpointvortrag). Nutzen Sie die Sitzungen am 12.4. und am 19.4., um mir solche Fragen zu stellen. Schließlich müssen Sie eine genaue Vorstellung davon haben, was genau in der Vorläuferstudie gelaufen ist, wenn Sie Ihre eigene Studie planen. Der Powerpointvortrag ist nicht ausführlich genug: er enthält zuwenig Informationen. Es ist Ihre Aufgabe, herauszufinden, was an Information fehlt, was Sie also mich fragen müssen, um Ihrerseits einen vollständigen Versuchsplan vorlegen zu können. Wir werden jeweils vor den Literaturreferaten eine halbe Stunde für Fragen reservieren.